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Studie: Bürgerschaftliches Franco-Allemand ist stabil und lebendig

18. Dezember 2017 Top-Nachricht 0 Kommentare
Auf dem 62. Jahreskongress der VDFG-FAFA in Hamburg stellte DFI-Direktor Prof. Frank Baasner vor den Teilnehmern aus Deutschland und Frankreich die Ergebnisse seiner Studie vor. Foto: VDFG

Das bürgerschaftliche Franco-Allemand befindet sich keineswegs in einer Krise. Die zivilgesellschaftlichen Strukturen sind sehr stabil und werden von einer großen Mehrheit als lebendig empfunden. Sie bieten einen Rahmen für Engagement, sind Raum für Austausch und Begegnung, Orte der Freundschaft und Verständigung.  Der Trend zu Neugründungen von Deutsch-Französischen Gesellschaften bzw. Associations Franco-Allemandes ist ungebrochen. Die Mehrzahl der Vereine ist mit ihrer finanziellen Situation zufrieden. Die Überalterung ist in beiden Ländern indes eine Tatsache. 

Dies sind die Kernthesen einer sozialwissenschaftlichen Studie, die das Deutsch-Französische Institut Ludwigsburg in Kooperation mit der ASKO Europa Stiftung  im Jahr 2016/17 erarbeitet und die Ergebnisse bereits im Sommer 2017 auf einer Tagung an der Europäischen Akademie Otzenhausen mit Vertretern der befragten Organisationen vertieft hat.


Ein Bericht von Stefan Endell


Auf dem Jahreskongress 2017 der VDFG-FAFA in Hamburg hat  DFI-Direktor Prof. Dr. Frank Baasner die Ergebnisse dieser Studie den Kongressteilnehmern aus Deutschland und Frankreich noch einmal ausführlich vorgestellt.

Baasner machte deutlich, dass es ihm mit dieser Studie auch darauf ankam, konkrete Daten mit belastbaren Aussagen zu erarbeiten, um unter anderem auch Behauptungen und Thesen aus Politik und dem öffentlichen Raum wie „die deutsch-französische Freundschaft der Bürger sei eingeschlafen“ etwas wissenschaftlich Belastbares entgegenstellen zu können. 

Um die komplexen Strukturen zivilgesellschaftlichen Engagements besser zu verstehen, hat das DFI mit Unterstützung der ASKO EUROPA STIFTUNG im Frühjahr 2017 eine Umfrage unter den DFGen und ihren französischen Pendants, den AFAs durchgeführt. Wenngleich die Vereine in ihrer Struktur und konkreten gesellschaftlichen Einbindung in beiden Ländern variieren, verfolgen die Organisationen, so das DFI, dennoch gemeinsame Ziele, was trotz aller länderspezifischen Unterschiede einen vergleichenden Untersuchungsansatz ermögliche. Insgesamt wurden 590 Vereinigungen kontaktiert, an der Studie dann teilgenommen haben 195 Vereine, davon 60 aus Deutschland und 135 aus Frankreich.

Handlungsempfehlungen
Aus den Ergebnissen der Umfrage, so erklärte Prof. Baasner, die im Sommer 2017 durch die Arbeitsgruppen beim so genannten Deutsch-Französischen Dialog 2017  an der Europäischen Akademie Otzenhausen weitgehend bestätigt wurden, ließen sich einige Empfehlungen ableiten, um die Arbeit der Vereine zu stärken und zu dynamisieren. Die wichtigsten Bereiche seien innovative Aktionsformen, Kommunikation sowie die Zusammenarbeit mit kommunalen und europaaffinen Organisationen.

  • Aktionsformen
    Mehr Angebote in Form von Projekten. Wer junge Mitglieder gewinnen will, sollte mehr Angebote für temporäres Engagement schaffen.
  • Steigerung der Flexibilität
    Vereinsstrukturen müssen sich an eine mobilere und fluktuierende Gesellschaft anpassen.
  • Kommunikation
    Mediennutzung. Soziale Medien sind für die diffuse Streuung von Informationen in die jüngeren Generationen hinein gut geeignet.
  • Politische Sichtbarkeit
    Die Vereine und ihre Dachorganisationen müssen ihre Öffentlichkeitsarbeit weiter ausbauen und dabei politische Kontakte auf allen Ebenen nutzen.
  • Stärkere Vernetzung
    Lokale Verankerung. Je nach Größe und Struktur der Gemeinden sollten alle Organisationen als potenzielle Partner betrachtet werden, in Bildung, Kultur, internationalen und europäischen Beziehungen.
  • Anbindung an Städtepartnerschaften
    Diejenigen Vereine, die (vor allem in Frankreich) enge Beziehungen zur jeweiligen Städtepartnerschaft pflegen, erzielen viele Synergieeffekte.

Vereine für Europa
Beide Dachverbände führen in ihrem Namen das Engagement für Europa. In der Praxis vieler Vereine kann die Nutzung europäischer Programme und die Zusammenarbeit mit Europa-Organisationen noch deutlich verstärkt werden.

Forderungen an die Politik
Die DFGen und die AFAs können ihrer eigenen Arbeit selbst neue Impulse verleihen. Gleichzeitig sind sie, wie alle zivilgesellschaftlichen Organisationen, auf die ideelle und materielle Unterstützung der politischen Instanzen auf lokaler, regionaler, nationaler und auch europäischer Ebene angewiesen. In den Diskussionen beim Deutsch-Französischen Dialog 2017 haben sich einige Aspekte herauskristallisiert, die als Forderung an die Politik formuliert werden können.

Mehr Wertschätzung
Die Politik muss noch stärker eine Kultur der Anerkennung des bürgerschaftlichen Engagements entwickeln. Es ist zu überlegen, wie man den Dialog zwischen den politisch Verantwortlichen und den Basisstrukturen verbessern kann. Politiker sollten verstärkt für die deutsch-französische Vorreiterrolle sensibilisiert werden.

Juristische Hürden abbauen
Die grenzüberschreitende Zusammenarbeit würde erleichtert, wenn in den Grenzgebieten eine „Experimentierklausel“ bestünde, die z.B. die Gründung von gemeinsamen Vereinen gestatten würde.


Prof. Frank Baasner

Prof. Frank Baasner – Zitate: 

Die DFGen und AFas sind kein Klagehaufen. Drei Viertel sind mit ihrer finanziellen Lage zufrieden. 

Sie sollten das Thema Sprache nicht nur schulisch diskutieren. Es gibt ein Leben nach der Schule. Sprache hilft, ist aber keine Grundvoraussetzung für Kontakte zwischen Franzosen und Deutschen. Bitte locker bleiben, und bitte nicht zu elitär sein.  

Vereinsstrukturen sind nötig für die Stabilität von Vereinsarbeit. Aber  flexibilisieren Sie doch Ihre Möglichkeiten. Einen 20-jährigen Schatzmeister werden Sie nicht bekommen. Aber betrachten Sie freie Aktionsformen (z.B. Projekte auf Zeit) als einen vollwertigen Beitrag. 

Kommunikation ist unendlich wichtig: Erhöhen Sie Ihre Sichtbarkeit. Machen Sie sich als DFG erkennbar. 

Bündeln Sie Ihre Kräfte. Suchen Sie in Ihrer Stadt Institutionen mit ähnlichen Strukturen und docken sie aneinander an. 

Bauen Sie als aktive Bürger bei den Politikern eine Erwartungshaltung auf. So leicht kommt da keiner raus. 

Das Gefäß, das Format DFG beziehungsweise AFA  ist gut, Es muss nur angepasst werden. Aber ersetzen Sie nichts von dem, was bisher geschah. Ohne persönliche Begegnungen geht es nicht. 

Das große Verdienst der Zivilgesellschaft in Deutschland und Frankreich ist, dass es keine nationalistischen Töne in der Tiefe der jeweiligen Gesellschaft gibt.


Zur Vertiefung des Themas:

Ergebnisse einer Studie d. Deutsch-Französischen Instituts in Kooperation mit d. ASKO EUROPA STIFTUNG

Résultats d’une étude de l’Institut Franco-Allemand en coopération avec l’ASKO EUROPA-STIFTUNG



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