Die deutsch-französische Beziehung ist die Zukunft Europas
Der französische Botschafter in Deutschland, Bernard de Montferrand, über die Rolle der VDFG in der deutsch-französischen Beziehung und ihre Bedeutung für das europäische Aufbauwerk
Die Vereinigung Deutsch-Französischer Gesellschaften (VDFG) nimmt einen entscheidenden Platz in der deutsch-französischen Beziehung ein. Das weiß ich aus eigener Erfahrung. Die VDFG und die diplomatische Vertretung Frankreichs in Deutschland teilen ein und denselben Willen: die deutsch-französische Freundschaft mit Leben zu füllen – da, wo sie am greifbarsten ist. In diesem Sinne ist die VDFG für uns ein unerlässlicher Partner. Was ist beispielhafter als die Hingabe, mit der sich die vielen Freiwilligen seit nun mehr als 50 Jahren dieser Aufgabe widmen? Was ist effizienter als die tagtägliche Verflechtung unserer beiden großen Länder, der sich die VDFG verschrieben hat – durch Sprachkurse, Konferenzen, Konzerte und Tausende Partnerschaften, die zur Verbreitung und zur Entdeckung der französischen Kultur in Deutschland beitragen? Und was ist sinnvoller als die vielen Treffen zwischen Franzosen und Deutschen, die die VDFG organisiert, damit persönliche und freundschaftliche Kontakte geknüpft werden können?
All dies wurde beim 12. deutsch-französischen Ministerrat Anfang Februar in Paris erneut bekräftigt. Der Staatspräsident und die Bundeskanzlerin haben eine „Agenda 2020“ beschlossen, die die wichtigsten Ziele der deutsch-französischen Zusammenarbeit für die nächsten zehn Jahre enthält. Darin wird das Zusammenwachsen unserer Zivilgesellschaften als eines der vorrangigen Ziele genannt, in einem Satz, der das Credo der VDFG widerspiegelt: „Persönliche und freundschaftliche Kontakte zwischen den Bürgern unserer beiden Länder sind das Fundament der deutsch-französischen Verständigung.“ Frankreich und Deutschland haben sich außerdem über eine Reihe gemeinsamer Initiativen abgestimmt, die von der Schaffung einer Regelung für deutsch-französischen Eheschließungen, über den Einsatz von Kirchenfenstern eines deutschen Künstlers in der Kathedrale von Reims, bis hin zur Einführung eines gemeinsamen Freiwilligendienstes für Jugendliche reichen.
Ich bin überzeugt, dass man auf der Ebene des politischen Zusammenwachsens nur dann Fortschritte erzielen kann, wenn dieses Vorhaben in solchen, von den Bürgern in ihrem Alltag wahrnehmbaren Initiativen Ausdruck findet. Die Internetsurfer, die bereits mit der Arbeit der VDFG vertraut sind, werden das wissen. Nationale Vorurteile und Eitelkeiten können überwunden werden, indem man das Partnerland kennenlernt. Gemessen daran ist die deutsch-französische Freundschaft ein Erfolg von historischer Bedeutung und hohem symbolischem Wert. Sie weist uns den Weg zu einem Europa der Bürger.
Die deutsch-französische Beziehung ist ein Vorgeschmack auf das Europa, das wir uns erträumen. Ein Europa, das mit seinen Bürgern versöhnt ist. Bürger, die bewusst eine Werte- und Schicksalsgemeinschaft bilden. Man kann ein europäisches Bewusstsein nicht per Dekret beschließen. Es kann nur aus dem Engagement der Zivilgesellschaften erwachsen. Je besser sich die Völker kennen und miteinander kommunizieren, desto eher werden sie die Vorteile Europas sehen und desto greifbarer wird Europa für sie sein.
Folgen wir dem Beispiel der Deutsch-Französischen Gesellschaften, allen voran der VDFG, und nehmen wir Hand in Hand die Herausforderung Europa an!

