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Charlie continue: Zwei Jahre danach – große Debatte in Kiel

9. Januar 2017 Unsichtbar 0 Kommentare

Warum radikalisieren sich deutsche und französische Jugendliche für den Dschihad? Unter diesem Motto stand die Podiumsveranstaltung der DFG Schleswig-Holstein Sitz Kiel am Freitag, 6. Januar 2017 im Landeshaus in Kiel zum 2. Jahrestag der Terroranschläge von 2015 in Paris.


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Dr. Claire Demesmay, Prof. Dr. Ahmed Toprak, Dr. Dieter Sinhart-Pallin, Dr. Eva Sabine Kuntz Tobias Meilicke. Foto: Maximilian Mehdorn

Diese war eine Neuauflage der Diskussionsveranstaltung, die am 7.1. 2016 anlässlich des 1. Jahrestages des Anschlages auf die Satire-Zeitschrift Charlie Hebdo sehr erfolgreich stattgefunden hatte unter dem Titel Charlie vivra! Der Terror hat Frankreich verändert – Wie können wir in Freiheit und Solidarität dem Terror widerstehen?“ Die Veranstaltung erfolgte in Kooperation mit der Heinrich-Böll- und der Familie Mehdorn-Stiftung Kiel.

Nach diesem fundierten, fruchtbaren und intensiven Austausch hatten sowohl Teilnehmer als auch Veranstalter den Wunsch, diesen sachlichen Gesellschaftsdialog fortzusetzen. Die DFG Schleswig-Holstein plante daher zusammen mit ihren Partnern eine Fortsetzung für Januar 2017 mit dem Titel Charlie continue – Warum radikalisieren sich deutsche und französische Jugendliche für den Dschihad? und konnte dafür auch den schleswig-holsteinischen Landesbeauftragten für politische Bildung gewinnen.

Der französische Botschafter Philippe Etienne zeichnete die DFG Schleswig-Holstein für dieses Projekt mit dem Prix Rovan 2016 aus und nahm aus diesem Grund in Begleitung von Generalkonsul Laurent Toulouse auch selber an der diesjährigen Veranstaltung in Kiel teil.

Die furchtbaren Terroranschläge nicht nur in Paris, Brüssel, sondern zuletzt auch in Berlin und Istanbul haben Politik und Gesellschaft verunsichert. Die allgemeine Sorge um Sicherheit führt zu der Frage nach den Ursachen dieses Terrors, insbesondere  in unseren Gesellschaften in Frankreich und Deutschland.

Warum radikalisieren sich deutsche und französische Jugendliche für den Dschihad? war die Frage, um die sich nach einführenden Worten des Landesbeauftragten für politische Bildung Meyer-Heidemann und der DFG-Vorsitzenden Dr. Annette de la Motte am 7.1.  die Diskussion eines erneut prominent besetzten Podiums drehte, fachkundig moderiert von Dr. Dieter Sinhart-Pallin (DFG Kiel):

> Dr. Eva Sabine Kuntz, Deutschlandradio Köln, ehemalige Generalsekretärin des Deutsch-Französischen Jugendwerks

> Tobias Meilicke, Landeskoordinationsstelle Schleswig-Holstein gegen religiös motivierten Extremismus

> Dr. Claire Demesmay, Programmleiterin Frankreich/deutsch-französische Beziehung bei der Deutschen Gesellschaft für auswärtige Politik e. V., Berlin

> Prof. Dr. Ahmed Toprak, FH Dortmund, Erziehungswissenschaftler, Experte für interkulturelles Konfliktmanagement.

In diesem fundierten und sehr dichten fast zweistündigen Gespräch erfuhren die ca. 150 Zuhörer im Schleswig-Holstein-Saal des Landeshauses u.a., dass sich nach heutigen Erkenntnissen eine Radikalisierung in vier Phasen vollzieht, dass Gefährder und Attentäter bei weitem kein einheitliches Profil haben, sondern sowohl Bildungsabbrecher als auch gut Ausgebildete, junge Leute mit Migrationshintergrund als auch Konvertiten dazu gehören, dass junge Frauen sich in der Regel schneller radikalisieren, die Radikalisierung immer früher beginne, sie sich aus einem Gefühl des Ausgegrenztseins nähere, dass radikalisierte Jugendliche oft keine fundierten Kenntnisse über den Islam hätten, dass niemand eine  einfache Lösung anzubieten habe, dass Deutschland und Frankreich auch in diesem Bereich von enger Kooperation profitieren, wenn sie ihre systembedingten unterschiedliche Lösungsansätze gemeinsam reflektierten. Die Experten sahen Elemente für eine Vorbeugung oder Bekämpfung der Radikalisierung in Vermittlung besser Medienkompetenz, (bessere) Kenntnisse über die Religionen.

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S.E. Botschafter Philippe Etienne, Foto: Maximilian Mehdorn

S.E. Botschafter Philippe Etienne fasste in seiner abschließenden Rede die wesentlichen Aspekte der Diskussion zusammen, ergänzt um einige Sachinformationen zur französischen Situation und persönliche Eindrücke und setzte damit einen beeindruckenden Schlusspunkt unter eine beeindruckende Veranstaltung.

Auch in diesem Jahr war im Anschluss großer Diskussionsbedarf bei den Zuhörern und das Angebot, bei einem Glas Wein mit den Podiumsteilnehmern ins Gespräch zu kommen wurde gern angenommen.  Bis weit in den Abend gab es intensive Gespräche und Diskussionen. Und erste Ideen für eine Fortsetzung der Veranstaltungsreihe entstanden auch schon.

Nicht nur die Veranstalter selber waren mit dem Abend zufrieden. Generalkonsul Laurent Toulouse aus Hamburg schrieb an die DFG-Vorsitzende Annette de la Motte:

Pour ma part, et comme en septembre, je suis rentré sur Hambourg en gardant au cœur et à l’esprit l’efficacité et la compétence de votre société franco-allemande. Motivation, énergie, partage, rencontres, questionnements partagés : que peut-on désirer de plus pour faire vivre la relation entre nos deux pays et entre nos deux cultures ? Tout ceci, et ce n’est pas le moindre bénéfice de la soirée d’hier, donne du courage et de l’inspiration pour aller de l’avant.“


Charlie continue: Abschluss Rede Botschafter Etienne

Charlie continue -Eröffnung de la Motte 


(Text: MM, 8.1.17).


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