Vereinigung Deutsch-Französischer Gesellschaften für Europa e.V.
Die Plattform für das bürgerschaftliche Franco-Allemand in Deutschland

Top-Nachricht

Steinmeier und Macron eröffneten 1.-Weltkriegs-Gedenkstätte

10. November 2017 Top-Nachricht 1 Kommentar
Foto: VDFG / MM

Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron und sein deutscher Amtskollege, Bundesprädident Frank-Walter Steinmeier haben am Freitagnachmittag (11. November 2017) bei eisigen Temperaturen und leichtem Schneefall auf dem elsässischen Berg Hartmannsweilerkopf, südwestlich von Freiburg im Breisgau, die deutsch-französische Museums- und Gedenkstätte zum Ersten Weltkrieg eingeweiht. Neben zahlreichen Gästen und Ehrengästen aus Deutschland und Frankreich war auch die VDFG durch ihre Präsidentin Dr. Margarete Mehdorn bei der Zeremonie vertreten. 

Die neue deutsch-französische Museum samt Gedenkstätte zum Ersten Weltkrieg. Foto: VDFG/MM

Staatspräsident Emmanuel Macron betonte, es gehe um eine „gemeinsame Lesart unserer Geschichte“. Sie sei der „Sockel für eine gemeinsame Zukunft“. Das sogenannte Historial auf dem Hartmannsweilerkopf ist das einzige gemeinsame Museum und Erinnerungszentrum beider Länder zum Ersten Weltkrieg.

Die Ausstellung wurde von einem deutsch-französischen Wissenschaftsrat erarbeitet. Der 900 Meter hohe Hartmannsweilerkopf im Süden der deutsch-französischen Grenzregion war im Ersten Weltkrieg Schauplatz blutiger Schlachten. Etwa 30.000 Soldaten beider Nationen kamen dort ums Leben,


Hintergrund „Hartmannsweilerkopf“


 

Margarete Mehdorn

Dr. Margarete Mehdorn, Präsidentin der VDFG.

Lesen Sie im Folgenden die stichwortartigen,  persönlichen Eindrücke der VDFG-Präsidentin Dr. Margarete Mehdorn: 

„Die Einweihungszeremonie bestand aus dem Gang der beiden Präsidenten direkt nach der Ankunft in die Krypta  alleine, dann ein militärisches Zeremoniell,  im Anschluss lasen Schüler aus deutsch-französischen Gymnasien der Gegend kurze Ausschnitte alternierend auf Deutsch und Französisch aus Briefen von Soldaten beider Seiten, die hier an der Front waren und die die Gräuel dieses „menschenfressenden Berges“ beschreiben.

Danach Niederlegung  der „gerbe“ der Blumen (Foto unten) durch die Präsidenten in Begleitung von vier Jugendlichen. Dann Gang der Präsidenten über das Gelände  – allein und ganz abgeschirmt zu verschiedenen Stationen, an denen Schüler Ergebnisse von Arbeiten vorstellen. An einer  Stelle stand ein Schüler, der auf der Geige die Europa-Hymne spielte.

Dann ließen sich die beiden Präsidenten von den Verantwortlichen durch das neue Museum führen. All dies wurde über Leinwand für die anderen Gäste übertragen. Zum Abschluss kamen die beiden Reden.

Große Sicherheitsvorkehrungen, kein großes Bad in der Menge

Es gab sehr große Sicherheitsvorkehrungen, kein großes Bad in der Menge oder sehr viel Publikumskontakt, außer beim Rausgehen nachher ein wenig mit dem Musikkapellen in Uniform oder mit den Fahnenträgern. Wir, die Gäste,  mussten Vormittags alle zu einem zentralen Sammelpunkt kommen, wo ein Sicherheitscheck stattfand. Von dort gab es Bustransfer , der Bus wurde durch einen Gendarmen eskortiert, wir durften unseren Gästebereich nicht einfach verlassen. Die Busse abends mussten warten, bis die Präsidentenkolonne abgefahren war. 

Erstaunlich ist, dass sich die beiden Präsidenten insgesamt gut vier Stunden an dem Ort aufgehalten und sehr viel Zeit dafür genommen haben!  Es wurde aber auch von den anwesenden Verfechtern, Unterstützern und Anhängern des Franco-Allemand körperliche Widerstandskraft und  physisches Durchhaltevermögen verlangt. Die Einladung wies schon darauf hin, man solle sich warm anziehen und festes Schuhwerk vorsehen, da die Zeremonie in 900m im Freien stattfände.

Die tatsächlichen meteorologischen Verhältnisse gestern übertrafen  die schlimmsten Befürchtungen. Es fielen ein paar Schneeflocken bei unserer Ankunft, es wehte ein starker eisiger Wind um die 0° Grad mit Sturmböen, nachher regnete es teilweise.

Und der General zitterte am ganzen Körper wie Espenlaub

Dreißig Minuten vor Ankunft der Präsidenten sollten die ca. 200 anwesenden Vertreter der Verwaltung, der Dörfer, der Schulen der Umgebung, der öffentlichen Verwaltung, Ministerien, Botschafter, DFG-Generalsekretäre,  Veteranenvereine, Fahnenträger, Pressevertreter und die an der Zeremonie beteiligten Militärverbände und militärischen Würdenträger Aufstellung genommen haben auf der Esplanade und konnte sich nicht mehr von dort wegbewegen.

Leider verspätete sich die präsidiale Kolonne um ca. 40 Minuten,d.h. die Zuschauer standen bereits in dem eisigen Wind über eine Stunde bevor es los ging und dann nochmals eine knappe Stunde. Selbst meine 5-Schichten-Ausrüstung war nach einer halben Stunde so exponiert nicht mehr ausreichend. Der Skianzug wäre geeigneter gewesen. Selbst ein vor mir stehender gestandener General, der – aus welchem Grund auch immer – keinen Mantel tragen durfte, zitterte nachher, als er bei den Hymnen Haltung annehmen musste, am ganzen Körper wie Espenlaub.

Durch diese meteorologischen Widrigkeiten, erschien die Veranstaltung aber eindringlicher und beeindruckender. Es war im wahrsten Sinne des Wortes keine „Schönwetter-Veranstaltung“. Besonders beeindruckend an der Rede des Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier fand ich die auf französisch vorgetragene Aussage:

L’Union Européenne est la meilleure idée que nous ayons jamais eue. Elle n’est pas du passé.  Elle est l’avenir que nous désirons.  Et cet avenir, nous le tenons entre nos mains. 

(Die Europäische Union ist die beste Idee, die wir je hatten. Sie ist nicht Vergangenheit.  Sie ist die Zukunft, die wir wollen. Sie ist die Zukunft, die in unserer Hand liegt.)

Und Präsident Macron beeindruckt mich immer wieder mit seiner Zugewandtheit und seiner  pertinenten Ausdrucksweise. Wieder erneuerte er seine Zusicherung der unveränderten Freundschaft Frankreichs  an Deutschland. Und besonders überrascht hat mich, dass die unzähligen hochdekorierten und betagten Kriegsveteranen um mich herum alle nach der Rede des jungen Präsidenten applaudierten und einhellig der Meinung waren: Das war eine gute Rede.“

 

(Reportage, Fotos: VDFG / MM)


1 Kommentar

  1. Rolf Wittenbrock schrieb am :

    Liebe Frau Dr. Mehdorn,
    besten Dank für Ihren interessanten Bericht über die Eröffnungsfeierlichkeiten.
    Ich hatte das Glück, die Veranstaltung während einer dreieinhalbstündigen Fernsehübertragung von France 3 Alsace zu verfolgen. Da war man auch ganz unmittelbar
    mitten im Geschehen, aber es fehlte die meteorologische Dimension, der sich die Kämpfer 1914-16 ja auch nicht entziehen konnten.


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.