Vereinigung Deutsch-Französischer Gesellschaften für Europa e.V.
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Vor 80 Jahren: Zum Tode von Otto Grautoff – dem Gründer der DFG

26. Mai 2017 Aktuelles 0 Kommentare

Er ist der Initiator, Gründer und schließlich der Vorsitzende der 1928 gegründeten Deutsch-Französischen Gesellschaft: Der Kunsthistoriker, Publizist Romanist, Übersetzer und Journalist Otto Grautoff, geboren 1876 in Lübeck und gestorben vor 80 Jahren am 27. April 1937 in Paris. Er  gründete am 12. Januar 1928 in Berlin  die „Deutsch-Französische Gesellschaft“ (DFG) . Dem ersten Präsidium gehörten herausragende Persönlichkeiten aus Deutschland und Frankreich an, darunter Konrad Adenauer, Albert Einstein, Otto Dix, Thomas Mann, Walter von Molo, Georges Duhamel und André Gide.

Jens-Henrik Lambart, der aktuelle geschäftsführende Vorsitzende der Deutsch-Französischen Gesellschaft Berlin (somit der ältesten DFG Deutschlands) blickt zum 80. Todestag von Dr. Otto Grautoff zurück auf das Wirken des Urvaters der zivilgesellschaftlichen Verständigung zwischen Deutschen und Franzosen – so geschehen zwischen den beiden Weltkriegen: 


Vor 80 Jahren, am 27. April 1937, starb Dr. Otto Grautoff in seinem Exil in Paris. Geboren wurde Grautoff am 31.Mai 1876 in Lübeck. Sein Vater war Buchhändler in Lübeck, sein Großvater Professor am Katharineum und Leiter der Stadtbibliothek.

In Lübeck besuchte Otto Grautoff das Katharineum und war über die gemeinsame Schulzeit hinaus eng mit Thomas Mann befreundet. Dessen Briefe an Grautoff (1894–1901) sind eine wichtige Quelle zur Beurteilung der Entstehung der Buddenbrooks; Mann porträtierte ihn darin als „Kai“. 

Der Kunsthistoriker Grautoff promovierte über die Jugendjahre  des französischen  Malers der Klassik, Nicolas Poussin und markierte so für die Zukunft seinen Arbeitsschwerpunkt in den deutsch-französischen Kulturbeziehungen. Grautoff, der bis 1914 überwiegend in Paris lebte, mußte bei Ausbruch des ersten Weltkriegs die Stadt verlassen und zog nach Berlin.

1917 übernahm er eine Dozentur für Kunstgeschichte an der Handelshochschule in Berlin, pflegte Kontakte zum preußischen Erziehungsministerium und zum Auswärtigen Amt. Der umtriebige und unermüdliche Verfechter der Verständigungs-Bestrebungen erhielt für seine überaus erfolgreichen Begegnungsaktivitäten, auch finanzielle Zuwendungen vom Auswärtigen Amt in Berlin.

Seine umfangreichen Kenntnisse über die moderne französische Literatur sowie seine zahlreichen, exzellenten Publikationen, verschafften ihm hohes Ansehen in Deutschland und in Frankreich. Grautoff erkannte nach der Londoner Konferenz im Jahre 1924, rasch die Zeichen der Zeit und damit die Notwendigkeit, die Kultur und Gesellschaftsbeziehungen zwischen Frankreich und Deutschland auf allen möglichen Ebenen, aktiv mit neuem Leben zu erfüllen.

Der französische Außenminister Aristide Briand und der deutsche Außenminister Gustav Stresemann bewiesen durch den Abschluss des Vertrages von Locarno im Oktober 1925, dass trotz der wechselvollen Geschichte beider Länder, ein gemeinsamer Weg der Annäherung und Verständigung beider Völker möglich ist. Neue Aktivitäten und Perspektiven eröffneten sich für diejenigen, die die Bedeutung der deutsch-französischen Achse für ein friedliches Europa erkannt hatten.

Schon in den Jahren vor dem ersten Weltkrieg war es Grautoffs Lebensziel, als Vermittler mit großer persönlicher Überzeugung, aktiv und engagiert zwischen Frankreich und Deutschland zu agieren. Die Gründung der Deutsch-Französischen Gesellschaft in Berlin (am 12. Januar 1928), gehörte zu seiner großen Lebensaufgabe.

Eine wichtige Brücke stellte das Erscheinen der Monatszeitschrift „Deutsch-Französische Rundschau“ dar, Schwesterzeitschrift der in Paris erschienenen  „Revue d’Allemagne“. Grautoff war Chefredakteur der von ihm ins Leben gerufenen und in Berlin verlegten Monatsschrift, alle DFG-Mitglieder erhielten sie kostenlos.

Zur finanziellen Absicherung dieser Monatszeitschrift gründete er 1928 die „Gesellschaft der Deutsch-Französischen Rundschau“, aus der noch im gleichen Jahr die „Deutsch-Französische Gesellschaft Berlin“ hervorging. Sie wurde schnell zum Forum des deutsch-französischen Dialogs und diente zugleich als Kommunikationszentrum für alle Frankreich orientierten Vereinigungen und Institutionen.

In kurzer Folge wurde die Berliner DFG zur Mutter weiterer Deutsch-Französischen Gesellschaften (formal „Ortsgruppen“ der DFG Berlin) in Frankfurt am Main, Köln, Stuttgart, Breslau, Mannheim, Nürnberg und Wien sowie in Paris, Le Havre und Sens. Dem ersten Präsidium gehörten herausragende Persönlichkeiten aus Deutschland und Frankreich an, darunter Konrad Adenauer, Albert Einstein, Otto Dix, Thomas Mann, Walter von Molo, Georges Duhamel und André Gide.

Im Juli 1934 wurde die Berliner Gesellschaft auf Betreiben von Otto Abetz, dem Frankreich-Referenten in der außenpolitischen Dienststelle Ribbentrop, aufgelöst.  Joachim von Ribbentrop, der spätere Reichsaußenminister, war seinerzeit außenpolitischer Berater Hitlers. In der Berliner Presse wurde dies unter dem expliziten Hinweis mitgeteilt, dass die Gesellschaft von 1928 nicht mehr dem Geist der Zeit entsprach. Die im Oktober 1935 neu gegründete Gesellschaft, deren Geschäftsführer Otto Abetz wurde, hatte außer dem Namen nichts mehr mit der 1928 gegründeten Gesellschaft gemein. Grautoff starb 1937 in der Emigration in Paris an einem Herzschlag, unmittelbar vor seiner Abreise nach New York.

Am 8. September 1949 wurde die Deutsch-Französische Gesellschaft Berlin im Haus der Wirtschaft in Berlin-Steglitz, wieder neu ins Leben gerufen. 


Lesen Sie auch die Zusammenfassung von Dr. Margarete MehdornPräsidentin der VDFG über das Wirken von Dr. Otto Grautoff: „Die Idee zur DFG entstand und entwickelte sich im politisch, sozialen Gesamtklima der Locarno-Ära.  . . .“ Mehr


 


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