Grußwort von Dr. Margarete Mehdorn im Namen der VDFG bei der Festveranstaltung anlässlich des 50jährigen Jubiläums der DFG Landau i.d. Pfalz am 21.11.2009
Sehr geehrte Mme Klein-Borgeot,
sehr geehrter Herr Dr. Metz,
liebe Mitglieder und Freunde der Deutsch-Französischen Gesellschaft Landau!
Zum 50jährigen Bestehen Ihrer DFG ist es mir eine Freude und Ehre, die Grüße und Glückwünsche des Vorstands der Vereinigung Deutsch-Französischer Gesellschaften für Europa e.V., deren aktives Mitglied Ihre DFG seit vielen Jahren ist, zu überbringen und in Vertretung des Präsidenten der VDFG. Prof. Molsberger, der heute in Berlin in der französischen Botschaft bei der Verleihung des Prix Rovan anwesend sein muss, das Wort an Sie zu richten.
Gestatten Sie mir, Ihr Jubiläum in einen größeren historischen Rahmen zu stellen.
Mit 50 Jahren gehört Ihre Gesellschaft sozusagen zur zweiten Generation der DFGen, die sich nach 1945 in der Bundesrepublik konstituierten. Eine Studie hat ergeben, dass es in der Gründungszeit zwei Typen von Gesellschaften gab.
Die ersten DFGen entstanden im Norden der Republik – weit weg von der französischen Zone, wo francophile Deutsche Initiativen ergriffen, solche Kulturvereine zu gründen, um über kulturellen Austausch die Annäherung und Verständigung mit Frankreich zu fördern. So entstanden 1947 in Hamburg, die DFG Cluny, 1949 die DFG Bremen, 1951 die DFG Kiel u.a.m.
Der zweite Typ DFGen konstituierte sich erst ab 1955, nachdem die Bundesrepublik die Souveränität erlangt hatte - und die Deutschen von den ehemaligen Besatzungsmächten allmählich wieder als Partner anerkannt wurden – im Bereich der ehemaligen französischen Besatzungszone.
Sie entstanden in Städten mit großem französischem Bevölkerungsanteil durch die Garnison und die Familienangehörigen der Militärs durch den gemeinsamen Wunsch der französischen Standortleitung und der deutschen Verwaltungsspitze oder anderer engagierter Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, die etwas für die Annäherung und Verständigung der beiden Bevölkerungsgruppen tun wollten. Dies waren „Cercles franco-allemands“ mit großen Mitgliederzahlen und einem großen Anteil französischer Mitglieder, man könnte sie daher als „echte“ Deutsch-Französische Gesellschaften bezeichnen.
Diese CFAs mussten ihr Selbstverständnis erst neu definieren Mitte der 1990er Jahre, nachdem die französischen Truppen aus Deutschland abgezogen worden waren und ihnen damit die französischen Mitglieder abhanden kamen.
Zu dieser zweiten Kategorie gehört auch Ihre DFG!
Mit dem deutsch-französischen Doppelvorstand, den Sie wie alle diese DFGen (CFAs) einführten, praktizierten Sie mit Pioniergeist und Weitsicht engste deutsch-französische Kooperation und interkulturellen Austausch im täglichen eben, in einer Zeit, als dies keineswegs selbstverständlich war und lange bevor der Elysée-Vertrag regelmäßige deutsch-französische Ministerrunden institutionalisierte. Dies verdient auch heute noch Anerkennung!
Nicht minder bemerkenswert ist die Tatsache, dass Sie über 50 Jahre die Zielsetzungen ihrer Gesellschaft mit leben füllen und Menschen davon überzeugen und dafür begeistern konnten, so dass Sie ihre große Mitgliederzahl halten konnten, auch nach dem Weggang der Franzosen.
Sie gehören zu den größten und aktivsten DFGen in der VDFG.
Auch dazu herzliche Gratulation!
Wir wünschen Ihnen heute, dass Sie diesen erfolgreichen Kurs fortsetzen können.
Denn viel wurde erreicht im deutsch-französischen Verhältnis, wie auch Prof. Sarcinelli in seiner Ansprache ausführte, was im Gründungsjahr Ihrer Gesellschaft undenkbar schien.
Die Freundschaft zwischen unseren beiden Ländern scheint fast unerschütterlich, Aber : „Rien n’est jamais acquis définitivement“, wie der große Europäer Pierre Pflimlin sagte.
Die Gesellschaft unterliegt ständigem Wandel und somit auch die Voraussetzungen und Erfordernisse zur Wahrung dieser Freundschaft.
Bei dieser wichtigen Zukunftsaufgabe spielen die 141 Mitgliedsgesellschaften der Vereinigung Deutsch-Französischer Gesellschaften, jede einzelne DFG an ihrem jeweiligen Ort weiterhin eine wichtige Mittlerrolle in der Zivilgesellschaft. Ihr persönliches Engagement trägt zur Schaffung der gesellschaftlichen Grundlage bei, auf der die politische bonne entente aufbauen kann.
In diesem Sinne:
Weiterhin Freude, innovative Ideen und viel Erfolg für Ihr Engagement!
Gestatten Sie mir noch zwei Nachbemerkungen:
Das Generalsekretariat der VDFG hat seinen Sitz in Mainz dank langjähriger zuverlässiger Unterstützung durch die Ministerpräsidenten von Rheinland-Pfalz. Im Namen des VDFG-Vorstandes möchte ich einmal in aller Öffentlichkeit unseren herzlichen Dank dafür aussprechen und die Hoffnung zum Ausdruck bringen, dass wir weiter mit dieser Unterstützung rechnen dürfen.
Ich bitte den Herrn Vertreter des Ministerpräsidenten herzlich diesen unseren Dank zu übermitteln.
Abschließend möchte ich dem Herrn Oberbürgermeister der Stadt (auch dem anwesenden ehemaligen OB Dr. Wolff) herzliche gratulieren, dass in Ihrer Stadt ein so engagierter Verein die Wechselfälle der deutsch-französischen Geschichte, denen diese Stadt so oft ausgesetzt war in den letzten Jahrhunderten, in eine Erfolgsgeschichte für die deutsch-französische Verständigung gewandelt hat.
Als Zeichen meiner Dankbarkeit an meine Heimatstadt, die den Grund für mein deutsch-französisches Interesse gelegt hat, möchte ich Ihnen ein Exemplar meiner Forschungen zu den Deutsch-Französischen Gesellschaften und den französischen Kulturinstituten in der Bundesrepublik übergeben, für Ihr Stadtarchiv oder die Stadtbibliothek, wo auch immer Sie es der Öffentlichkeit zugänglich machen wollen.

